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	<title>Kontroversen&#187; Kommunikation</title>
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		<title>Dezentralisierung als Gegenmaßnahme</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 18:52:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Angelo Veltens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In &#8220;Die Probleme der Zentralisierung&#8221; habe ich geschildert, welche Probleme ich in zentralisierten Infrastrukturen sehe. Ich möchte im Folgenden zeigen, wie Dezentralisierung diesen Problemen entgegenwirkt. Noch einmal zur Klarstellung: Natürlich ist es wichtig, dass Zensur und Massenüberwachung gesetzlich verboten sind, &#8230; <a href="http://kontroversen.de/2011/09/dezentralisierung-als-gegenmasnahme/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In <a href="http://kontroversen.de/2011/08/die-probleme-der-zentralisierung/">&#8220;Die Probleme der Zentralisierung&#8221;</a> habe ich geschildert, welche Probleme ich in zentralisierten Infrastrukturen sehe. Ich möchte im Folgenden zeigen, wie Dezentralisierung diesen Problemen entgegenwirkt.</p>
<p>Noch einmal zur Klarstellung: Natürlich ist es wichtig, dass Zensur und Massenüberwachung gesetzlich verboten sind, aber das allein reicht nicht aus. Überwachung und Zensur müssen bereits durch das Wesen der Infrastruktur so stark wie möglich erschwert werden. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen <em>können sich ändern</em> und in den letzten Jahren geht die Tendenz ganz klar in Richtung mehr Überwachung und Einschränkung von Informationen und Kommunikation. Besonders dann, wenn die politischen Garantien wegfallen, braucht eine Demokratie freie Kommunikation um zu überleben (oder ggf. neu aufzukeimen).</p>
<p>Wir brauchen dezentrale Systeme auf allen Ebenen &#8211; vom physikalischen Netzwerk bis hin zu Diensten im Web &#8211; um die im letzten Artikel beschriebenen Probleme zu vermeiden, oder zumindest abzumildern.</p>
<p>Schauen wir uns die Probleme noch einmal im Einzelnen an, und betrachten, wie dezentrale Systeme diesen entgegenwirken können:</p>
<h2>1) Die Kommunikationsvorgänge sind abhängig von der Infrastruktur des Anbieters</h2>
<p>Dezentrale Systeme besitzen keinen <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Single_Point_of_Failure">&#8220;Single point of failure&#8221;</a>, dessen Ausfall das Gesamtsystem lahmlegen würde. Es gibt keine zentralen Abhängigkeiten. Ein Ausfall von Teilen des Systems kann das Gesamtsystem zwar ggf. beeinträchtigen, jedoch nicht zum Erliegen bringen, da die verbleibende Infrastruktur den Ausfall kompensieren kann. Eine Abschaltung durch Dritte, zum Beispiel den Staat, ist ebenfalls nicht möglich, sofern die Verteilung breit genug ist.</p>
<p><em>Beispiel aus der Praxis: Bei <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Peer2Peer">Peer-to-peer-Netzwerken</a> gibt es keinen zentralen Anbieter, sondern alle Teilnehmer sind zugleich Konsumenten und Anbieter. Fällt ein Teilnehmer aus, verringert das ggf. den Datendurchsatz, aber beeinträchtigt das System ansonsten nicht.</em></p>
<h2>2) Der Anbieter hat Einsicht in alle Kommunikationsvorgänge</h2>
<p>Bei dezentralen Systemen gibt es keinen zentralen Anbieter mehr, der Einsicht in alle Kommunikationsvorgänge hätte. Grundsätzlich bleibt jedoch die Gefahr bestehen, dass die an der Herstellung der Kommunikationsverbindung und Übertragung der Daten beteiligten Teile der Infrastruktur (bzw. deren Besitzer) Daten abgreifen. Der Kommunikationsinhalt kann jedoch durch Verschlüsselung geschützt werden. Die Verbindungsdaten können ggf. verschleiert werden.</p>
<p><em>Beispiel aus der Praxis: Bei <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Internet_Relay_Chat">IRC</a> gibt es keinen zentralen Anbieter, der alle Kommunikation einsehen könnte, jedoch kann jeder Server-Betreiber die Kommunikation auf seinem Server überwachen. Verschlüsselung ist möglich.</em></p>
<h2>3) Der Anbieter bestimmt die Regeln der Kommunikation</h2>
<p>In zentralen Systemen regelt der Anbieter das Zustandekommen der Kommunikation. Einerseits bietet dies das beschriebene Missbrauchspotential, andererseits ermöglicht der Anbieter durch seine Vermittlung aber auch die Kommunikation. Dezentrale Systeme entreißen dem Anbieter zwar die Macht, stellen die Teilnehmer aber gleichzeitig vor das Problem, die Kommunikation selbst aufbauen zu müssen. Eine Kommunikation über dezentrale Systeme ist daher nur möglich, wenn gemeinsame Konventionen und Standards eingehalten werden. Verschiedene dezentrale Systeme mit unterschiedlichen Standards, müssen Schnittstellen schaffen um ihre Teilnehmer miteinander zu verbinden.</p>
<p><em>Beispiel aus der Praxis: Bei Jabber gibt es keinen zentralen Anbieter, der Inhalte filtern oder Kommunikationsverbindungen zwischen einzelnen Teilnehmern unterbinden könnte. Damit die Teilnehmer kommunizieren können, müssen sich jedoch alle an das <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Extensible_Messaging_and_Presence_Protocol">XMPP-Protokoll</a> halten.</em></p>
<h2>4) Der Anbieter kontrolliert die Kommunikation</h2>
<p>Während ein zentraler Anbieter die Möglichkeit hat, Inhalte, Identitäten und ganze Kommunikationsvorgänge nach Belieben zu fälschen, gibt es in dezentralen Systemen niemanden mit solcher Macht. In dezentralen Systemen steigen dafür die Missbrauchsmöglichkeiten jedes einzelnen, da es z.B. keine zentrale Instanz gibt, die Identitäten verifiziert. Abhilfe kann hier jedoch Verschlüsselung und Signierung der Kommunikation auf Basis eines <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Web_of_Trust">Web-of-Trust</a> schaffen.</p>
<p><em>Beispiel aus der Praxis: Verschlüsselung und Signierung mit <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Pretty_Good_Privacy">PGP</a></em></p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Dezentrale Systeme sind ein wirksames Mittel gegen Überwachung und Zensur. Die Nachteile zentraler Systeme treten nicht auf, oder werden abgemildert. Gleichzeitig stellt uns die Unabhängigkeit von zentralen Anbietern vor neue Herausforderungen. Wie die Beispiele aus er Praxis zeigen, gibt es aber bereits Lösungen. Wir müssen nur noch gewillt sein, diese zu nutzen und weiterzuentwicklen.</p>
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		<title>Die Probleme der Zentralisierung</title>
		<link>http://kontroversen.de/2011/08/die-probleme-der-zentralisierung-2/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Aug 2011 17:36:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Angelo Veltens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
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		<description><![CDATA[Welche Probleme und Gefahren bringt die Zentralisierung von Kommunikationsdiensten mit sich, die ich im letzten Blogartikel beanstandet habe? Ich erhebe mit der folgenden Aufstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegenteil freue ich mich über Ergänzungen in den Kommentaren. Ich möchte &#8230; <a href="http://kontroversen.de/2011/08/die-probleme-der-zentralisierung-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Welche Probleme und Gefahren bringt die <a href="/2011/08/die-zentralisierung-unserer-kommunikation/">Zentralisierung von Kommunikationsdiensten</a> mit sich, die ich im letzten Blogartikel beanstandet habe? Ich erhebe mit der folgenden Aufstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegenteil freue ich mich über Ergänzungen in den Kommentaren. Ich möchte hier möglichst alle potentiellen Gefahren aufführen, unabhängig davon, wie realistisch sie uns derzeit aus politischer Sicht erscheinen mögen. Ich möchte eine Kommunikationsinfrastruktur, die ihrem Wesen nach bereits zensur- und überwachungsresistent ist. Denn gerade in Fällen, in denen der Rechtsstaat mir dies nicht mehr garantiert, bin ich auf eine funktionierende Kommunikationsinfrastruktur angewiesen. Wir müssen die Gefahren von zentralen Diensten also unabhängig von rechtsstaatlichen Garantien beleuchten.</p>
<h2>1) Die Kommunikationsvorgänge sind abhängig von der Infrastruktur des Anbieters</h2>
<p>Zentrale Dienste funktionieren nur, wenn der Anbieter des Dienstes Infrastruktur für diese bereitstellt. Die Kommunikationsvorgänge sind somit abhängig von der Infrastruktur dieses Anbieters. Die Infrastruktur kann gestört werden, oder ganz ausfallen. Ein Anbieter könnte auch insgesamt aufhören zu exisitieren oder sich entscheiden seinen Dienst einzustellen. Dann ist keine Kommunikation zwischen den Nutzern des Dienstes mehr möglich.</p>
<p><em>Beispiel aus der Praxis: Wenn twitter.com ausfällt, ist die Nutzung von Twitter nicht mehr möglich.</em></p>
<h2>2) Der Anbieter hat Einsicht in alle Kommunikationsvorgänge</h2>
<p>Ein zentraler Anbieter kann sowohl die Umstände der Kommunikation als auch deren Inhalt einsehen, speichern und auswerten. Da der Anbieter die Kommunikationsverbindung herstellt, weiß er mindestens, wer, wann mit wem in Kontakt steht. Die Einsicht in die Inhalte könnte man theoretisch durch Verschlüsselung unterbinden. Da der Anbieter jedoch auch die Regeln der Kommunikation bestimmt (siehe Punkt 3), ist es von dessen Willkür abhängig, ob Verschlüsselung möglich ist oder nicht. In der Praxis hat ein zentraler Anbieter daher auch immer Einsicht in die Kommunikationsinhalte, wenn er dies wünscht.</p>
<p><em>Beispiel aus der Praxis: Facebook-Nachrichten landen unverschlüsselt auf deren Servern und können prinzipiell mitgelesen werden (Wird vielleicht sogar gemacht, um passende Werbung einzublenden, weiß ich aber nicht sicher). Ver- und Entschlüsselung müsste außerhalb von Facebook vorgenommen werden, was natürlich kein Mensch macht.</em></p>
<h2>3) Der Anbieter bestimmt die Regeln der Kommunikation</h2>
<p>Bei zentralen Diensten bestimmt der Anbieter die Regeln, unter denen eine Kommunikationsverbindung zustanden kommen kann. Er legt fest, wer mit wem, wann und von wo in Verbindung treten kann. Er bestimmt auch, welche Kommunikationsmittel (Software, Geräte, &#8230;) dazu verwendet werden können. Darüber hinaus bestimmt er auch die Inhalte der Kommunikation. So könnten zum Beispiel Nachrichten die bestimmte Begriffe enthalten blockiert, und Verschlüsselung unterbunden werden.</p>
<p><em>Beispiel aus der Praxis: Die Nutzung von Voice-over-IP wird häufig von Mobilfunkanbietern unterbunden.</em></p>
<h2>4) Der Anbieter kontrolliert die Kommunikation</h2>
<p>Der Anbieter bestimmt jedoch nicht nur die Regeln der Kommunikation, sondern kontrolliert letztendlich den kompletten Kommunikationsvorgang. Er hat die Möglichkeit, Kommunikationsinhalte zu manipulieren, er kann Identitäten und sogar komplette Kommunikationsvorgänge fälschen.</p>
<p><em>Beispiel aus der Praxis: Das mittlerweile 10 Jahre alte, aber top-aktuelle Experiment <a href="http://odem.org/insert_coin/">&#8220;insert_coin&#8221;</a> von Alvar Freude und Dragan Espenschied, bei dem sie über einen zentralen Proxyserver Webseiteninhalte und E-Mail-Kommunikation manipulieren.</em></p>
<h2>Zusammenfassung</h2>
<p>Nachteile und Gefahren zentraler Kommunikationsdienste:</p>
<ol>
<li>Die Kommunikationsvorgänge sind abhängig von der Infrastruktur des Anbieters</li>
<ol>
<li>Technische Abhängigkeit von fremder Infrastruktur (kann ausfallen)</li>
<li>Abschalten der Infrastruktur durch den Staat</li>
<li>Der Anbieter kann insgesamt aufhören zu existieren</li>
</ol>
<li>Der Anbieter hat Einsicht in alle Kommunikationsvorgänge</li>
<ol>
<li>Den Inhalt der Kommunikation</li>
<li>Die Umstände der Kommunikation</li>
</ol>
<li>Der Anbieter bestimmt die Regeln der Kommunikation</li>
<ol>
<li>Der Anbieter regelt das Zustandekommen der Kommunikation</li>
<ol>
<li>Wer mit wem</li>
<li>Wann</li>
<li>Wo</li>
<li>Welches Kommunikationsmittel (z.B. Ausschluss fremder Clients, VoIP über Mobilfunk)</li>
</ol>
<li>Der Anbieter regelt den Inhalt der Kommunikation</li>
<ol>
<li>Filterung</li>
<li>Verbot von Verschlüsselung</li>
</ol>
</ol>
<li>Der Anbieter kontrolliert die gesamte Kommunikation</li>
<ol>
<li>Manipulation des Inhalts</li>
<li>Fälschen von Identitäten</li>
<li>Fälschen von Kommunikationsvorgängen</li>
</ol>
</ol>
<h2>Fazit</h2>
<p>Habe ich noch etwas übersehen? Ich freue mich über Feedback und Ergänzungen in den Kommentaren. Ich denke aber es sind jetzt schon mehr als genug Gründe, warum zentrale Dienste abzulehnen sind und über kurz oder lang dezentralisiert werden müssen. Auch wenn Anbieter heute vorgeben &#8220;nicht böse zu sein&#8221;, kann sich dies jederzeit ändern. Große Macht bring große Verantwortung heißt es &#8211; aber große Macht verleitet auch dazu, sie zu missbrauchen. Ich jedenfalls möchte nicht darauf vertrauen, dass zentrale Anbieter verantwortungsvoll mit ihrer Macht umgehen. Dafür gibt es schon jetzt zu viele Gegenbeispiele.</p>
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		<title>Die Zentralisierung unserer Kommunikation</title>
		<link>http://kontroversen.de/2011/08/die-zentralisierung-unserer-kommunikation/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Aug 2011 17:01:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Angelo Veltens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich besitze unter anderem E-Mail-Adressen bei Web.de und bei meinem Internet-Provider und habe zudem noch einen eigenen Mail-Server laufen. Sicherlich geht es vielen von euch ähnlich. Laut Wikipedia wird E-Mail &#8221; &#8211; noch vor dem Word Wide Web &#8211; als &#8230; <a href="http://kontroversen.de/2011/08/die-zentralisierung-unserer-kommunikation/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich besitze unter anderem E-Mail-Adressen bei Web.de und bei meinem Internet-Provider und habe zudem noch einen eigenen Mail-Server laufen. Sicherlich geht es vielen von euch ähnlich. <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/E-Mail">Laut Wikipedia</a> wird E-Mail &#8221; &#8211; noch vor dem Word Wide Web &#8211; als wichtigster und meistgenutzter Dienst des Internets angesehen&#8221;. E-Mail hat eine großartige Eigenschaft: Es ist egal bei welchem Anbieter ich bin und es ist auch egal welchen Anbieter der Empfänger meiner Mail nutzt. Egal ob großer Internet-Provider oder eigener Server: eine Kommunikation über E-Mail kann unabhängig davon stattfinden.</p>
<p>Welch eine Sensation, wird der ein oder andere sicher nun mit ironischem Unterton bemerken, während ich die scheinbar selbstverständlichen Vorzüge eines der ältesten Dienste des Internets anpreise.</p>
<p>Ich wünschte die Vorzüge währen so selbstverständlich, wie sie uns auf den ersten Blick erscheinen.</p>
<p>Während ich diese Zeilen schreibe, blinkt mein Instant-Messenger auf. Ein Freund von mir hat mich kontaktiert. Ich nutze Pidgin, da dieser Client mehrere IM-Dienste unter einem Dach vereint. Ich kann damit sowohl ICQ, MSN, Yahoo, Jabber und einiges mehr nutzen. Als die ersten sogenannten <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Multi-Protokoll-Client">Multi-Protokoll-Clients</a> auf den Markt kamen, wurde dies als Sensation gefeiert: &#8220;Wow, endlich kann ich mit allen meinen Freunden chatten, egal bei welchem Anbieter sie sind!&#8221;. An dieser Stelle wäre eine ironische Anmerkung dann tatsächlich angebracht, denn eine Sensation ist das nicht. Bestenfalls ein verkrüppelter Workarround für den Protokollsalat beim Instant-Messaging. Denn einen Account bei jedem einzelnen Anbieter benötige ich dazu weiterhin, eine Kommunikation zwischen meinem ICQ-Account und dem Yahoo-Account eines Bekannten bleibt weiterhin unmöglich.</p>
<p>Ich habe das Glück, das viele meiner Bekannten sehr netzaffin sind und <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Extensible_Messaging_and_Presence_Protocol">Jabber</a> nutzen. Auch der besagte Freund kontaktiert mich per Jabber. Seine Jabber-ID ist <a href="https://web.jabber.ccc.de/?page_id=12">beim CCC gehostet</a>, ich nutze meine Web.de-Adresse als Jabber-ID (<a href="http://wiki.ubuntuusers.de/XMPP/Server#web-de">Ja das geht!</a>). Bei Jabber ist es wie bei E-Mail völlig egal, welchen Anbieter ich nutze, oder ob ich einen eigenen Jabber-Server betreibe. Ich kann mit allen anderen Jabber-Nutzern kommunizieren.</p>
<p>Trotzdem hat sich Jabber noch nicht durchgesetzt. Was bei E-Mail niemand akzeptieren würde, ist beim Instant-Messaging gang und gäbe. Man stelle sich vor, ich könnte mit meiner Web.de E-Mail-Addresse nur Web.de-Nutzer erreichen! Bei ICQ und Co. ist genau das traurige Realtiät!</p>
<p>&#8220;Aber wer nutzt denn schon ICQ?&#8221;, höre ich meine netzaffinen Bekannten geringschätzig schwadronieren. Dabei sind sie (und ich) anderswo keinen deut besser. Ich sage nur Facebook und Twitter.</p>
<p>Soziale Netzwerke sind zu Kommunikationszentralen geworden. Viele Jugendliche nutzen nicht einmal mehr E-Mail, sondern schicken sich nur noch Nachrichten über Facebook und Co. Selbst einige meiner Bekannten schicken mir eher eine Direktnachricht auf Twitter, als eine Mail zu schreiben. Wo das Problem ist? Das Problem liegt in der Zentralisierung. Genauer: Das Problem ist, das wir mehr und mehr bereit sind, unsere Kommunikation über zentrale Dienste abzuwickeln. Wir machen unsere Kommunikation somit abhängig von einzelnen, zentralen Anbietern. Dies bringt weitere Probleme und Gefahren mit sich, die tiefer gehen, als dass ich mit ICQ keinen MSN-Nutzer erreichen kann. Ich möchte, dass wir uns dieser Probleme bewusst werden und nach Lösungen suchen.</p>
<p>Mir ist klar, dass das Problembewusstsein bei vielen bereits vorhanden ist und auch schon an Lösungen gearbeitet wird. So gibt es mit <a href="http://status.net/">status.net</a> z.B. bereits eine Plattform für dezentrale Micro-Blogging-Dienste und mit <a href="https://joindiaspora.com/">Diaspora</a> ist eine dezentrale Social-Networking-Plattform in Arbeit. Mir fehlt jedoch eine breite und grundsätzliche öffentliche Außeinandersetzung mit dem Thema. Während Überwachung und Zensur immer wieder auf der netzpolitischen Tagesordnung stehen, scheint mir das damit eng verbundene Thema (De)-Zentralisierung noch etwas vernachlässigt. Überwachung und Zensur wird aber durch zentrale Systeme erst möglich, oder zumindest extrem vereinfacht. Im Umkehrschluss: Die Dezentralisierung unserer Kommunikation hilft bei der Bekämpfung von Überwachung und Zensur.</p>
<p>In einem folgenden Blogpost werde ich näher auf die grundsätzlichen Probleme und Gefahren zentraler Dienste eingehen und mich anschließend den Vorzügen dezentraler Strukturen und dem Weg dorthin widmen.</p>
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		<title>Irrtum der Woche: Das Medium ist verantwortlich für die Inhalte</title>
		<link>http://kontroversen.de/2009/03/irrtum-der-woche-das-medium-ist-verantwortlich-fur-die-inhalte/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Mar 2009 17:21:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Angelo Veltens</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
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		<description><![CDATA[Kennt ihr eigentlich die Geschichte von König Kunibert? Kunibert war ein sehr dummer König. Als ein Bote von einer entscheidenen Schlacht zurückkehrte und berichtete, dass sein Heer vom Feind blutig niedergeschlagen wurde, da ließ der König den Boten hinrichten. Jedes &#8230; <a href="http://kontroversen.de/2009/03/irrtum-der-woche-das-medium-ist-verantwortlich-fur-die-inhalte/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kennt ihr eigentlich die Geschichte von König Kunibert? Kunibert war ein sehr dummer König. Als ein Bote von einer entscheidenen Schlacht zurückkehrte und berichtete, dass sein Heer vom Feind blutig niedergeschlagen wurde, da ließ der König den Boten hinrichten.  Jedes Kind versteht, dass der Bote doch für die schlechte Nachricht gar nichts kann, sondern nur seinen Dienst verrichtet.</p>
<p>Bei vielen Politikern scheint jedoch das Hirn auszusetzen, wenn es um digitale Dienste geht: Die Bundesregierung <a href="http://www.heise.de/newsticker/Bundesregierung-Web-2-0-hat-hohe-Bedeutung-fuer-islamistische-Propaganda--/meldung/133881">postulierte diese Woche</a>, dass das &#8220;Web 2.0&#8243; hohe Bedeutung für islamistische Propaganda habe. Ob dies für sich genommen schon ein Irrtum ist, kann ich nicht beurteilen. Ich bin aber bisher auf noch keine islamistische Propaganda in Social Networks gestoßen.</p>
<p>Die Regierung impliziert jedoch mit dieser Aussage, dass die &#8220;Web 2.0&#8243;-Dienste selbst das Problem sind &#8211; nicht etwa die darüber kommunizierten Inhalte. Wie der Bote, erbringen die Dienste nur ihren Dienst (deswegen heißen die auch so <img src='http://kontroversen.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ) Diese Dienste können rein gar nichts dafür, wenn sie auch für unwillkommene Inhalte verwendet werden. Es ist eine völlig krude Vorstellung, diese nun deswegen zu verteufeln.</p>
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		<title>Vertrauliche E-Mail-Kommunikation?</title>
		<link>http://kontroversen.de/2008/12/vertrauliche-e-mail-kommunikation/</link>
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		<pubDate>Thu, 18 Dec 2008 19:45:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Angelo Veltens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die E-Mail ist im doppelten Sinne nicht vertraulich: Erstens ist es ungewiss ob der Kommunikationspartner tatsächlich derjenige ist der er vorgibt zu sein, zweitens sind E-Mails unverschlüsselt und können damit potentiell von Dritten mitgelesen werden. Damit disqualifiziert sich die E-Mail &#8230; <a href="http://kontroversen.de/2008/12/vertrauliche-e-mail-kommunikation/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die E-Mail ist im doppelten Sinne nicht vertraulich: Erstens ist es ungewiss ob der Kommunikationspartner tatsächlich derjenige ist der er vorgibt zu sein, zweitens sind E-Mails unverschlüsselt und können damit potentiell von Dritten mitgelesen werden.</p>
<p>Damit disqualifiziert sich die E-Mail grundsätzlich als rechtsverbindliches Kommunikationsmittel. Diesen Missstand will die Bundesregierung mit dem Projekt &#8220;Bürgerportale&#8221; beseitigen. Der Dienst &#8220;DE-Mail&#8221; soll E-Mail so &#8220;zuverlässig, sicher und vertraulich wie Papierpost&#8221; machen.</p>
<p>Klingt doch richtig gut, oder? Leider bekomme ich seit der LKW-Maut und dem Desaster bei der Einführung der ALG II Software regelmäßig Bauchschmerzen, wenn der Bund ein größeres IT-Projekt angeht. Aber das ist nicht der einzige Grund für mich, die &#8220;DE-Mail&#8221; genauer unter die Lupe zu nehmen.</p>
<p>Zunächt einmal drängt sich die Frage auf, warum denn nicht einfach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pretty_Good_Privacy">PGP</a> genutzt wird? Nicht nur mir, wie es scheint, denn das <a href="https://www.e-konsultation.de/">Informationsportal</a> gibt bereits eine Antwort:</p>
<blockquote><p>Die Technologien (z.B. bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und/oder Signaturen) setzen vielfach voraus, dass der Nutzer selbst die entsprechenden Software-Komponenten installiert, zugehörige Zertifikate für seine Kommunikationspartner verwaltet und geeignet mit den privaten Schlüsseln umgeht. Hier haben die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt, dass eine flächendeckende Verbreitung solcher Lösungen nur sehr schwer zu erreichen ist. Bei De-Mail werden genau diese Aufgaben, für die der Nutzer bisher selbst verantwortlich war, von vertrauenswürdigen Anbietern durchgeführt.</p></blockquote>
<p>PGP soll also deshalb nicht verwendet werden, weil der Nutzer mit der Installation der Software und der Verwaltung der Schlüssel überfordert sein könnte? Zugegeben: Verschlüsselung ist unter &#8220;Ottonormal-Benutzern&#8221; nicht sonderlich weit verbreitet. Aber ist das Grund genug dem Nutzer die Verantwortung zu entziehen und stattdessen auf &#8220;vertrauenswürdige Anbieter&#8221; zu setzen? Reden wir Klartext: Das bedeutet, dass der private(!) Schlüssel des Benutzers beim Anbieter liegen wird! Dieser kann also jederzeit auf die angeblich vertraulichen Dokumente zugreifen, genau wie anfragende Staatsorgane. Das bestätigt auch Dr. Heike Stach, Leiterin des Projekts Bürgerportale im Bundesinnenministerium, im <a href="http://politik-digital.de/Chattranskript-De-Mail">Chat mit Politik-Digital</a> (Hervorhebungen durch mich):</p>
<blockquote><p>De-Mail <strong>unterliegt den gesetzlichen Rahmenbedingungen</strong> der elektronischen Kommunikation. Das heißt, das <strong>Mitlesen von Inhalten ist grundsätzlich</strong> nur nach entsprechender richterlicher Anordnung <strong>möglich</strong>, wie es auch bei Papierpost der Fall ist.</p></blockquote>
<p>Zu gesetzlichen Rahmenbedingungen zählen Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung und alles was sich Herr Schäuble in Zukunft sonst noch so ausdenkt. Der Schutz vor mitlesenden Staatsorganen ist genauso wenig gegeben wie bei herkömmlicher E-Mail.</p>
<p>Hinzu kommt das Missbrauchspotential durch den DE-Mail-Anbieter, der schließlich im Besitz des privaten Schlüssels ist. Über Schlüssel die in die Hände von Kriminellen gelangen und am Schwarzmarkt gehandelt werden möchte ich angesichts der Datenskandale der letzten Monate gar nicht erst nachdenken. Also: Wie werden neugierige Blicke von Mitarbeiter des DE-Mail-Anbieters verhindert? Heike Stach dazu:</p>
<blockquote><p>Die Provider werden zertifiziert und müssen dabei nachweisen, dass der <strong>Zugriff</strong> auf die von ihnen verwendeten Schlüssel nur <strong>in berechtigten Fällen</strong> erfolgen kann.</p></blockquote>
<p>Es werden also mal wieder Zertifikate verteilt. Das ist immer ein tolles Argument. Leider konnte ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen, welche Anforderungen genau gestellt werden und wie diese <strong>dauerhaft</strong> sichergestellt werden. Das entscheidet letztendlich, wie vertrauenswürdig die Anbieter tatsächlich sind. Bemerkenswert finde ich auch hier wieder, den Zugriff &#8220;in berechtigten Fällen&#8221;.</p>
<p>Der Fairness halber muss ich aber noch betonen, dass Ende-zu-Ende Verschlüsselung natürlich weiterhin möglich ist. Im Informationsportal heißt es:</p>
<blockquote><p>Reicht einem Nutzer diese dadurch erreichte Sicherheit nicht aus, so kann er die Nachrichten wie bisher verschlüsseln und/oder signieren. Welche Lösungen (z.B. S/MIME, OpenPGP, GnuPG) und welche Verschlüsselungs-Schlüssel er dafür benutzt, ist dem Nutzer freigestellt.</p></blockquote>
<p>Allerdings ist kaum zu erwarten, dass Behörden zukünftig diese Verfahren unterstützen werden. Das ist schon heute kaum der Fall und wird sich mit Einführung der DE-Mail wohl kaum ändern. Als positive Außnahme sind mir bisher nur Datenschutzbehörden aufgefallen.</p>
<p>Ich finde es schade, dass hier schon wieder viel Geld in ein schon in den Ansätzen fragwürdiges Projekt gepumpt wird. Ich halte es für sinnvoller bestehende Maßnahmen wie PGP, GnuPG zu fördern und die Öffentlichkeit für die Themen Verschlüsseln und Signieren zu sensibilisieren, anstatt den Bürgern die Verantwortung in diesem Bereich abzunehmen. Ein demokratisches Informationszeitalter braucht mündige, selbstbewusste IT-Benutzer.</p>
<p>Ich möchte das Projekt aber nicht gleich totreden, sondern hoffe, dass es durch eine rechtzeitige öffentliche Debatte in vernünftige Bahnen gelenkt wird. Denn grundsätzlich ist eine vertrauliche, rechtsverbindliche Kommunikation zwischen Bürgern, Behörden und der Wirtschaft ein erstrebenswertes Ziel.</p>
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